Hallo Zusammen,
ich war so frei und habe direkt beim TÜV angefragt. Die sind mir wie zu erwarten war, kein Stück entgegengekommen. Saftladen halt. Anbei der Auszug aus meiner Mail.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie in der vergangenen Woche telefonisch mit einem Ihrer Kollegen kurz besprochen, besitze ich einen Subaru SVX (Modelljahr 1997, EU-Ausführung), für den die hinteren Bremsscheiben nach meinem aktuellen Kenntnisstand nicht mehr produziert werden und weder als OEM- noch als Aftermarket-Ersatzteile verfügbar sind. Die einzige Scheibe, die ich für die Hinterachse des SVX gefunden habe, ist von TAROX Brakes (taroxbrakes.de), einem deutschen Hersteller. Diese hat allerdings keine Zulassung.
Bei der europäischen Version des Fahrzeugs sind an der Hinterachse folgende Komponenten verbaut:
• Innenbelüftete Bremsscheiben hinten
◦ Nenndicke: 18 mm
◦ integrierte Trommel für Feststellbremse (Drum-in-Hat-Prinzip, Ø 190 mm)
• Einkolben-Schwimmsattel Hinterachse
◦ Kolbendurchmesser identisch mit US-Version
• Scheibenbremse mit separater Trommel-Feststellbremse
Für die US-Version des Subaru SVX sind hingegen weiterhin folgende Komponenten erhältlich:
• Voll-Bremsscheiben (nicht innenbelüftet)
◦ Bauart: massiv
◦ Nenndicke: 10 mm
◦ ansonsten identische geometrische Abmessungen (Außendurchmesser, Topfhöhe, Lochkreis, Mittenzentrierung)
• passende US-Hinterachs-Bremssättel (ausgelegt auf 10 mm Scheibendicke)
Nach meinen Recherchen sind:
• Scheibendurchmesser identisch
• Reibringdurchmesser identisch
• Lochkreis und Zentrierung identisch
• Bremsbeläge identisch
• Kolbendurchmesser der Bremssättel identisch
Lediglich die Scheibendicke (18 mm innenbelüftet EU vs. 10 mm massiv US) und entsprechend die Bauform des Bremssattels unterscheiden sich.
Rein rechnerisch ergibt sich bei identischem Reibradius und identischem Kolbendurchmesser keine Änderung der Bremskraft, sondern lediglich eine veränderte thermische Belastbarkeit aufgrund der massiven statt innenbelüfteten Scheibe.
Wäre es aus Ihrer Sicht grundsätzlich möglich, die Hinterachs-Bremssättel auf die US-Version umzurüsten (plug-and-play Montage an vorhandenen Achsschenkeln), sowie die massiven 10 mm Bremsscheiben der US-Version zu verwenden, und diese Änderung im Rahmen einer Einzelabnahme eintragen zu lassen?
Dabei würde die komplette Hinterachs-Bremsanlage technisch auf die originale US-Spezifikation des gleichen Fahrzeugmodells umgestellt.
Alternativ wäre eine Umrüstung auf eine technisch vergleichbare Hinterachs-Bremsanlage aus einem Subaru Impreza denkbar.
Hierbei bestehen jedoch Unterschiede bei der integrierten Feststellbremse:
• Handbrems-Innentrommel:
◦ SVX: Ø 190 mm
◦ Impreza: Ø 170 mm
Hier stellt sich die Frage, ob eine solche Umrüstung grundsätzlich prüffähig wäre oder ob die Reduzierung des Trommeldurchmessers der Feststellbremse ein Ausschlusskriterium darstellt. Der Einbau dieser Bremsanlage wäre allerdings recht aufwendig.
Falls weder eine Umrüstung auf US-Spezifikation noch eine alternative Serien-Bremsanlage realisierbar ist:
Besteht die Möglichkeit, innenbelüftete Bremsscheiben (18 mm) als Einzelanfertigung bzw. Kleinserie nach Muster oder technischer Zeichnung fertigen zu lassen und diese mittels Materialnachweis und Festigkeitsgutachten zur Abnahme zu bringen?
Sind Ihnen entsprechende Verfahren oder anerkannte Hersteller bekannt, die solche Sonderanfertigungen mit prüffähiger Dokumentation anbieten?
Es gibt Bremsscheiben der Toyota Supra aus ähnlichem Baujahr, die vergleichbare Dimensionen hat. 290 mm Außendurchmesser, 18 mm Scheibendicke innenbelüftet, 190 mm Handbremse. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Scheibe ca. 4 mm axial durch ein Distanzstück nach außen versetzt werden müsste, damit sie mittig im Bremssattel sitzt und der Nabendurchmesser beträgt 60 statt 58 mm, was eine Zentrierung erforderlich machen würde.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie prüfen könnten, welche der genannten Optionen realistisch umsetzbar ist und welche Nachweise hierfür erforderlich wären (Bremswirkungsnachweis, Vergleichsgutachten, Herstellerbestätigung etc.). Den Fahrzeugschein finden Sie im Anhang.
Hier die Antwort vom TÜV:
prinzipiell wären die von Ihnen genannten Varianten möglich.
Bei der US-Variante/Sonderanfertigung wird allerdings der erforderliche Materialnachweis oder Prüfbericht vom Technischen Dienst für Bremsscheibe und -sattel ein Problem darstellen, der bei der Verwendung von Serienteilen aus dem europäischen Markt von Modellen mit Typgenehmigung/ABE (auch von anderen Fahrzeugen) nicht erforderlich ist.
In jedem Fall wird eine Prüfung der (gesamten) Bremsanlage nach VdTÜV 754 erforderlich. Zu Ihrer Information sind folgende Prüfungen/Ergebnisse erforderlich:
Kaltbremsung unbeladen 100 km/h Typ I ausgekuppelt
(ESP Doppelter Spurwechsel min. 100 km/h)
ABS Ausfall unbeladen aus min. 50 km/h
Fahrzeug beladen auf zGG
Kaltbremsung beladen 100 km/h Typ I ausgekuppelt
Betriebsfestigkeit für Bremssättel und –halter muss nachgewiesen werden (außer bei Spenderfahrzeug mit ABE/Typgenehmigung)
Gleiche Bauform wie original, idealerweise überdimensioniert
FEM Berechnung oder Prüfbericht vom Technischen Dienst muss vorliegen
Materialnachweis oder Prüfbericht vom Technischen Dienst muss vorliegen
Idealerweise gleiches Material wie Original
Bei Änderung der Feststellbremse zusätzlich Prüfung der Feststellbremsanlage erforderlich.
Die Prüfung der Bremsanlage ist also mit einem gewissen Aufwand verbunden. Leider können wir beim TÜV Mindelheim diese Prüfung nicht durchführen, da hierfür spezielles Meßequipment und eine entsprechende Prüfstrecke erforderlich ist.
Ich würde empfehlen, die US- und die Sonderanfertigungsvariante zu verwerfen, da die erforderlichen Nachweise nicht zu bekommen sein werden.
Sollte eine Abnahme der Bremsanlage spruchreif sein, würde ich Sie bitte, sich direkt mit den Kollegen aus Augsburg in Verbindung zu setzen, die die Prüfungen durchführen können
Resume
Bedeutet, falls von euch keiner eine schöne Lösung hat, die den Umbau auf eine bestehende Subaru Bremsanlage der Hinterachse kennt, dann wird es mit dem Eintragen schwierig. Ich bin zwar selbst Ingenieur, darf aber keine Festigkeitsgutachten für solche Anwendungen durchführen. Was schade ist, denn im Gegensatz zu den Stümpern beim TÜV, würde ich die Teile einfach durchrechnen, ggf. umkonstruieren und dann testen. Aber darf ich selbst nicht machen und entsprechend wäre dann ein entspannterer Prüfer notwendig, der sein Handwerk beherrscht und sich kurz in die Berechnung reindenkt, das Teil testet und den Stempel drauf haut.
Ich werde mir das mit der Supra Scheibe nochmal überlegen, mir das Adapterteil vom Joachim ggf. mal im CAD aufziehen und die Fertigung bei uns kontaktieren, wie viel das kosten würde. Alternativ habe ich auch die Bremssättel des US-Modells mit der zugehörigen Bremsscheibe da und würde dann einfach die einbauen.
Schöne Grüße
Anton